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Das Problem ist nicht das Problem

Wer es wagt zu leben, ist mutig. Denn er stellt sich all den Problemen, die das Leben mit sich bringt. Zu leben bedeutet, Probleme zu haben. Es gibt kein Leben, das problemlos verläuft. Viele Menschen, die diesen Umstand realisieren, sind manchmal enttäuscht vom Leben und finden es scheiße. Die Erkenntnis, dass das Leben scheiße sein kann, machen die meisten von uns in ihren frühen Zwanzigern. Einige kommen schon viel früher darauf. Und andere können sich an einer Reihe von Zufällen erfreuen, wodurch sie erst in den späteren Abschnitten ihres Lebens mit Problemen konfrontiert werden. Erfreuen… kann man sich wirklich daran erfreuen, dass man ein Leben lang keine Probleme hat? Oder wäre es ein noch viel größeres Problem, keine Probleme zu haben, weil uns Probleme helfen unseren Geist zu stärken? Diese Fragen darf jeder für sich allein beantworten. Ich selbst bin froh, dass ich in meinem Leben mit gewissen Problemen konfrontiert wurde. Denn solche Probleme haben mir geholfen, mein Leben zu schätzen und insgesamt glücklicher zu sein.


Stell dir mal vor du würdest eine leckere Speise zu dir nehmen. Vielleicht einen Teller Pommes oder irgendetwas anderes, was du gerne isst. Stell dir vor, dir würde ein kleines Schlamassel passieren. Der Teller mit einem Essen fällt runter und das Essen liegt quer verstreut über den schmutzigen Boden. Wenn du so drauf bist, wie die meisten von uns (ich schließe mich damit ein), würdest du die Pommes, die auf dem Boden herum liegen, nicht mehr essen wollen. Du hättest ein Problem. Und zwar das Problem, dass dein Essen schmutzig geworden ist und du keinen Bock auf schmutziges Essen hättest. Du würdest dir wahrscheinlich entweder einen neuen Teller Pommes bestellen oder dir irgendetwas anderes kaufen, damit du deinen Hunger stillen kannst. Mit größter Wahrscheinlichkeit würdest du aber nicht die Pommes vom Boden aufheben und essen. Wenn du in dieser Situation rein zufällig sehen würdest, dass auf dem Boden noch mehr Essen herum liegt, weil auch anderen Leuten ihr Teller hinuntergefallen ist, würdest du dich gewiss nicht auf diese Nahrungsreste stürzen und sie essen. Weil du immer noch das Problem hättest, dass diese Nahrung auf einem schmutzigen Boden in der Gegend herum liegt. Selbst dann, wenn dieses Essen theoretisch noch genießbar wäre, würdest du es nicht aufheben und essen. I don’t blame you…

Die ganze Sache sieht aber anders aus, wenn wir uns in einer anderen Situation befinden. Stell dir vor, du würdest Tage oder sogar Wochen lang durch die Wildnis irren, weil du dich aus irgendeinem Grund verlaufen hast. Stell dir vor, es gäbe dort nichts, was du essen könntest. In dieser Situation wäre es nur mehr eine Frage der Zeit, bis du dem Hunger erliegst und stirbst. Stell dir aber vor, du würdest nach einigen Tagen plötzlich Essensreste finden, die dort einfach auf dem Boden herum liegen, weil sie irgendwelche Touristen weggeworfen haben. Stell dir vor, auch dieses Essen wäre rein theoretisch immer noch genießbar. Das Problem, dass das Essen auf dem Boden herum liegt, wäre plötzlich kein Problem mehr, sondern ein extremer Glücksfall, weil es bedeuten würde, dass du noch ein bisschen länger leben kannst. Vielleicht würde dieser Glücksfall bedeuten, dass du gerade noch so lange lebst, um aus dieser misslichen Lage herauszukommen. Vielleicht würdest du dir dadurch den Magen verderben. Aber lieber ein paar Tage lang Durchfall und „Kotzerei“, als tot… Durchfall und Brechreiz hören irgendwann mal auf. Man kann sich davon erholen. Aber vom Sterben kann man sich nicht mehr erholen…


Essen, das auf dem Boden liegt… Obwohl es sich beide Male um ein und dieselbe Situation handelt, stellt die Situation im ersten Fall ein Problem und im zweiten Fall einen Glücksfall dar. Aus diesem Gedankenexperiment können wir folgende Schlüsse ziehen:


Probleme sind relativ. Sie hängen in der Regel mit der Situation zusammen, in der wir uns gerade befinden. Und wenn es uns mal wieder „zu gut“ geht, machen wir manchmal ein Problem aus einer Situation, die eigentlich gar kein Problem wäre. Ich meine damit nicht, dass du ab sofort wie ein Hund den Boden leer essen solltest, wann immer dort noch was herumliegt. Aber mach wenigstens kein Problem daraus. Schau mal, ob es in deinem Leben auch andere Situationen gibt, die eigentlich kein Problem wären, und nur eins geworden sind, weil du eines daraus gemacht hast.

Probleme entstehen, existieren und persistieren folglich sehr häufig in unserem Kopf. Die Situation selbst ist an und für sich erstmal gar kein Problem. Die Situation ist einfach nur eine Situation, die durch irgendwelche Umstände zu Stande gekommen ist. Anders ausgedrückt: Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist das, was du aus der Situation machst, in der du dich gerade befindest.


Einige Leute werden sich nun denken: „Heureka! Er hat Recht! Mein Leben wird von nun an sehr viel leichter sein.“ Andere werden sich hingegen denken: „Das ist ja schön und gut. Aber sowas ist immer leicht zu sagen.“

Beide Aussagen sind richtig. Natürlich gibt es Probleme, die schlimmer sind als Andere. Es gibt Probleme, mit denen wir gut umgehen können. Und dann gibt es noch Probleme, die uns bis ins tiefste Innere erschüttern können.

Es geht hier nicht darum, Probleme zu verharmlosen oder so zu tun, als würde ein Problem gar nicht existieren. Es ist gut, dass wir in der Lage sind, Probleme zu erkennen. Im Laufe der Evolution haben wir gelernt, Probleme sehr gut zu erkennen, weil dies lebensnotwendig ist. Wenn unsere Vorfahren aus der Steinzeit einen Zaun bauen mussten, um das Lager in der Nacht vor Raubtieren zu schützen, musste dieser Zaun gut und stabil sein. Wenn der Zaun irgendwo instabil war, wäre es möglicherweise fatal gewesen, wenn unsere Vorfahren gesagt hätten: „Ach, das ist hier kein Problem. Das Problem ist ja nur, dass wir uns die ganze Zeit verrückt machen… lasst uns den Zaun so lassen, wie er jetzt ist.“

Wir wollen uns folglich nicht die Fähigkeit abtrainieren, Probleme zu erkennen. Was wir lernen wollen sind im Prinzip drei Sachen:


1. Wir wollen lernen, Probleme nicht dort zu machen, wo eigentlich keine Probleme sind.

2. Wir wollen lernen, Probleme nicht durch unser eigenes Denken und Handeln zu verschlimmern, sondern sie stattdessen entweder zu lösen oder zu akzeptieren.

3. Wir wollen lernen, Probleme nicht nur als Probleme zu sehen, sondern auch als Chancen uns zu verbessern und zu wachsen. Und wenn wir dazu nicht in der Lage sind, oder es die Situation nicht zulässt, wollen wir wenigstens lernen, Probleme nur als Situationen zu sehen, die wir entweder lösen oder akzeptieren wollen.


Sobald wir verstehen, dass wir unsere eigenen Probleme häufig durch unser eigenes Denken und Handeln verschlimmern, beginnen wir den Umgang mit Problemen zu erlernen. In deinem Leben wird nicht irgendwann einmal die große Erkenntnis kommen, auf dass sich dann all deine Probleme lösen werden. Es wird immer wieder mal Probleme geben, die dich sehr beschäftigen werden. Aber du wirst mit der Zeit immer besser lernen, mit Problemen umzugehen. Du wirst mit der Zeit Probleme immer besser lösen oder akzeptieren können. Irgendwann wirst du merken, dass Situationen, die früher ein Problem dargestellt hätten, heute gar kein Problem mehr sind.


Im Leben geht es nicht darum, keine Probleme mehr zu haben. Es geht darum, den Umgang mit Problemen zu erlernen. Ich, der ich diese Zeilen schreibe, mag vielleicht dem einen oder anderen wie ein weiser Mann erscheinen, der sein Leben gemeistert hat und dem nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringen kann. Doch auch ich werde wahrscheinlich weiterhin mit Problemen konfrontiert werden. Einige dieser Probleme werden mich vielleicht gewaltig auf die Palme bringen. Aber das ist in Ordnung. Ich will mich auf mich selbst verlassen, dass ich es auch in Zukunft immer wieder schaffen werde, ein Problem irgendwie zu lösen oder zu akzeptieren. Schließlich hat es ja bisher auch immer funktioniert.


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